Sie sind hier: Aktuelles » 

Blutröhrchen neben Schraubenschlüsseln

Adolphsdorfer Blutspende-Team des Deutschen Roten Kreuzes ist erstmals im neuen Dorfgemein-schaftshaus tätig

Grasberg. Vor dem Regalbrett mit Feuerwehrstrahlern liegt Torsten Schröder. Normalerweise hantiert er als Mitglied der Ortsfeuerwehr damit. Heute bleiben sie stehen. Blut fließt dunkelrot durch Plastik-schläuche. Auf jeder Seite stehen drei Liegen für die Blutspender. So wie Schröder werden an diesem Abend noch 66 weitere Menschen dazu in das neue Dorfgemeinschaftshaus kommen. Seit Mitte der 1960er-Jahre organisiert der Ortsverein Adolphsdorf des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) dreimal pro Jahr eine Blutspende. Trotzdem ist es diesmal eine Premiere.

Zum ersten Mal nämlich hat das DRK-Team seine Utensilien im 2017 eingeweihten Bau aufgebaut. Den haben Ortsfeuerwehr und Dorfgemeinschaft gemeinsam errichtet, und sie halten auch diesmal zusammen: Registrierung, Aufnahme und Essen nach der Spende gibt es bei der Dorfgemeinschaft. Die Plastikpäckchen mit Blut füllen sich da, wo für gewöhnlich das Adolphsdorfer Feuerwehrauto steht.

Vor der Werkzeugwand der Feuerwehr sitzt Jörg Regenbrecht und verteilt an die Neuankömmlinge Staugurte und Plastikröhrchen. Für den Mitarbeiter des DRK-Blutspende-Teams ist dies offenbar kein sonderlich ungewöhnlicher Arbeitsplatz. Über die Lesebrille hinweg sagt er schmunzelnd: „Wir  müssen jeden Tag mit anderen Örtlichkeiten leben.“ Und seit ein Heizstrahler neben ihm stehe, sei es auch mit der Temperatur besser. Dass die Feuerwehrhalle die Spender ein wenig kühl  empfängt, war zuvor schon Torsten Schröder aufgefallen. „Wir arbeiten daran, das zu verbessern“, hatte er bereits auf der Blutspendeliege angekündigt.

Zwischen 60 und 80 Spender folgen jeweils dem Adolphsdorfer Aufruf. Nach gut einem Jahr Bauausweichquartier in der Schützenhalle sind nun die Mitglieder des Adolphsdorfer DRK-Ortsverbandes unter Leitung von Wilfried Engelken in das neue Haus am alten Ort zurückgekehrt. Der Vorsitzende wuselt zwischen den Räumen hin und her, fragt überall, ob alles recht sei und schwärmt über das neue Blutspende-Domizil: „Es ist alles heller, alles freundlicher.“

Rund eine Stunde dauert es von der Anmeldung bei Anneliese Feldmann, die zugleich Vorsitzende der Dorfgemeinschaft ist, bis zum leckeren Essen an einer der langen mit Blumen geschmückten Tafeln. Dort warten belegte Brote und Butterkuchen als Lohn auf die Blutspender. Wie in jedem Januar haben die Helferinnen um Inge Helmke nicht nur das vorbereitet. In der schmucken Dorfgemeinschaftsküche dampft Hochzeitssuppe im Topf. Die wärmt gut durch. Der Ausgleich zur Kühle der Feuerwehrhalle.

Trotz dieses Temperaturunterschieds im Vergleich zum Dorfgemeinschaftsraum, empfindet Torsten Schröder die Blutspende angenehmer als im alten Dorfgemeinschaftshaus. „Viel geräumiger“, sagt er und außerdem sei es gut, die Spender auf den Liegen gegenüber zu sehen. Das habe es früher nicht gegeben. So kann sich unterhalten, wer mag. Treffen sich zur Adolphsdorfer Blutspende doch viele alte Bekannte aus dem Dorf und der Umgebung. Schröder mit seiner 25. Spende ist da fast noch Novize. Andere haben schon 70 oder 80 Mal ihre Ärmel aufgerollt für die Blutspende. Zum Beispiel Wolfgang Apeler: Er hat gerade seine 70. Blutspende absolviert und wartet jetzt auf die Hochzeitssuppe. Zufrieden blickt er durch den Raum und sagt: „Mir gefällt das so.“

23. Februar 2018 05:23 Uhr. Alter: 119 Tage