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Das geilste Gefühl, das ich je hatte

Jörn Mangels (Mitte) brachte eine E-Mail mit, die ihm der Mann geschrieben hatte, dessen Leben er dank seiner Knochenmarkspende retten konnte. Die 2.200 Euro unterm Arm von Patrick Grotheer (DRK) sind eine Spende des Lions Clubs Osterholz (Joachim Ibisch, links, und Johannes Jung, 2.v.r.). Thorben Prenntzell freute sich als Kreissparkassenvorstandsmitglied helfen zu können.

Osterholz-Scharmbeck (ek). „Das geilste Gefühl, das ich je hatte.“ So beschrieb Jörn Mangels das Gefühl, das er hatte, als er seinem an Blutkrebs erkrankten, ihm gänzlich unbekannten 100-prozentigen genetischen Zwilling in Frankreich Knochenmark spenden konnte, das den Empfänger vor dem sicheren Tod rettete.

„Die Spende selbst ist ganz einfach.“ Mangels habe sich während einer Veranstaltung in Lunestedt registrieren lassen, als ein Stammzellenspender für den kleinen Emil gesucht worden war. „Im November bekam ich die Nachricht, dass ich in die engere Auswahl gekommen war. Zwar nicht für Emil, aber für einen anderen Menschen auf der Welt.“ Nach weiteren Tests, die Mangels ganz nebenbei als kerngesund darstellten, war klar, dass er ein 100-prozentiger genetischer Zwilling sei. „Dabei ist es egal, woher, wie alt, welches Geschlecht oder so.“ Am Anfang dieses Jahres wurde er zur Hauptuntersuchung und zur Stammzellenspende eingeladen. „Ich war sehr aufgewühlt: Mich erreichte die Nachricht in Bali zu einer Zeit, als mein Vater gerade gestorben war. Ich bin ja nichts Besonderes, aber in meinen Adern fließt etwas, was einem anderen das Leben retten kann. Also darf mir jetzt auch nichts passieren“, erinnerte sich Jörn Mangels an seine Gedanken.

Die Stammzellenspende werde zu 80 Prozent durch eine Blutwäsche, der so genannten Apherese gewonnen. „Nur noch um die 15 Prozent werden aus dem Beckenkamm entnommen. Das sind gute potente Zellen für sehr junge Empfänger“, sagte Mangels, der sich in die Materie eingelesen hat. Medikamentös vorbereitet durchlief Mangels eine Dialyse-artige Prozedur, damit das Genmaterial sofort und ohne weitere Umstände auf dem schnellsten Wege zum Patienten gebracht werden konnte. „Man muss sich danach noch neun Wochen für eine mögliche Nachspende zur Verfügung halten.“ Mehr als die Information, dass der Empfänger ein 32-jähriger Mann in Frankreich sei, habe Jörn Mangels zunächst nicht erhalten, da Frankreich und Italien kategorisch ein Kennenlernen von Spender und Empfänger ausschließen. Lediglich ein zensierter E-Mail-Kontakt war erlaubt, den Jörn Mangels mitgebracht hatte zur Spendenübergabe des Lions Clubs Osterholz an das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Osterholz zur Finanzierung der Knochenmarktypisierung. „Jede Typisierung kostet gut 50 Euro“, sagte der Kreisgeschäftsführer des DRK, Patrick Grotheer. „Daher ist das Spendengeld wirklich notwendig.“

Für die Spende des Geldes hatte der Lions Club Osterholz in Plexiglasboxen internationale Münzen und Scheine in den Filialen der Kreissparkasse Osterholz und den Filialen der Volksbank Osterholz-Scharmbeck eG gesammelt. Einmal im Jahr lehrt Joachim Ibisch als Münzsammlungs-Beauftragter des Lions Clubs Osterholz sämtliche Boxen aus, sortiert, zählt und schickt die durchaus exotischen Währungen zu einer Zentralstelle, die dem Lions Club Osterholz den entsprechenden Betrag gutschreibt. Ganze 2200 Euro konnten so dem DRK für die wichtige Arbeit übergeben werden, auf dass noch mehr Menschen in den Genuss des geilen Gefühls kommen.

23. Oktober 2017 18:27 Uhr. Alter: 29 Tage